Chris Genau 80 Dresden Monarchs

Wenn Verletzungen Alles Ändern (Verletzungs-Serie I)

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Wenn einem das, was man am meisten liebt genommen wird – ohne jede Chance dagegen anzugehen – kann einen das entweder zerstören oder wachsen lassen. Genau so fühlen sich Verletzungen für Sportler an. Das ganze Training während der Off-Season scheint umsonst gewesen zu sein. Vom Stammspieler zum Bankwärmer innerhalb von wenigen Sekunden. Es gibt kein logisches Denken in diesen Momenten. Kein kühles Kopf bewahren und ausrechnen wann man wieder zurück sein könnte. Nur unendlich viel Schmerz – und ich meine nicht physischen – sondern emotionalen.
Lasst mich klar stellen, dass es für mich zwei unterschiedliche Grade von Verletzung gibt. I – jede Form, welche als erste Frage im Kopf zulässt “Kann ich nächstes Wochenende spielen?”. So verrückt das klingt – selbst bei Verletzungen, welche für den Laien schwerwiegend wirken – ist das immer der erste Gedanke.
II – Dir ist sofort klar, dass deine Saison vorbei ist.

Der zweite Fall beschreibt genau, wie die Saison 2019 für mich endete. Die Verletzung der Syndesmose gegen Köln war schmerzhaft, und das Highlight-Spiel gegen Braunschweig im großen Stadion aussetzen zu müssen sogar noch mehr, aber nicht das Ende der Saison. Eine kleine Unannehmlichkeit, mit der jeder Sportler früher oder später in seiner Karriere umgehen muss.

Eine ganz andere Situation stellte sich für mich wie folgt dar. Für Freunde, Coaches und eng verfolgende Fans war länger klar, dass ich mit Schulterproblemen zu kämpfen hatte seit dem Spiel gegen Potsdam vor der Sommerpause. Ich habe in Spielen gespielt, die ich nicht hätte spielen sollen. Ich hatte Schmerzen, die ich nicht hätte dulden sollen. Ich habe Schmerzmittel genommen und Stephie hat den Arm vor jedem Spiel extra stark mit Tape verbunden – alles Zeichen, dass man nicht aufs Feld sollte.
Aber genau das ist es, was mir und so vielen meiner Teamkameraden der Sport bedeutet. Wofür das Alles? Um den Traum noch eine kleine Weile länger am Laufen zu halten. Denn auf diesem Feld zu stehen, mit Freunden, welche Familie sein könnten und die Aufregung des Spiels ist genau das – Ein wundervoller Traum. Also habe ich meine medizinischen Bedenken verdrängt. Mir war klar, dass die Schulter eine tickende Zeitbombe ist und ein ungünstiger Tackle ausreicht um die Saison zu beenden und eine OP notwendig zu machen.
Ich habe diese Entscheidung bewusst getroffen.

Chris Genau 80 Dresden Monarchs
Der Arm bereits Spiele zuvor angeschlingt

Wir spielen gegen Hildesheim. Das Spiel ist ausgeglichen zu Beginn. Ich schaue zu Glen ins Backfield, hoffe er sieht, was ich sehe. Kein Safety über mir und die Mitte vom Feld komplett offen. Das Laufspiel hat die Linebacker dicht an die Line of Scrimmage gezogen. Glen gibt das Signal, ändert den Spielzug, sieht was ich sehe.
Ich schaue nochmal Richtung Feld und Safeties, danach auf den Ball. Hermann snapped, ich renne beinahe unberührt am Outside Linebacker vorbei, der Ball fliegt in einer geraden Linie auf mich zu. Ich fange ihn rund 25yd tief, komme noch zwei Schritte und werde unerwartet von hinten zu Boden gebracht. Knapp 2yd fehlen nur zur Endzone, doch das nehme ich schon nicht mehr war. Ein fürchterlich stechender Schmerz schießt durch meine Schulter, sofort ist mir klar – die Saison ist gelaufen.

Dresden Monarchs Receiver Crops
Provisorische Schlinge nach dem Spiel (Instagram)

Ich glaube durch meine gesamte Football und Karate Karriere habe ich nie solche körperlichen Schmerzen gefühlt. Schwindel, Unruhe, Angst, Übelkeit. Doch das allerschlimmste kommt erst Stunden später auf der Party nach dem Sieg. Den Arm in einer Schlinge tragend wird mir bewusst – Ich habe heute wahrscheinlich das letzte Football Spiel meiner Karriere gespielt.
Umringt von einer feiernden Masse an Menschen und Mitspielern, voller Freude über den Sieg, findet man sich plötzlich allein und einsam.

Die Auseinandersetzung mit der Problematik und wie man damit umgeht soll jedoch kein Teil dieses Posts sein. (Aber sehr bald folgen Als Teil dieser “Verltzungs-Serie)
Hier geht es nur um die Darstellung der Erlebnisse aus meiner eigenen Sicht.

Eine Geschichte zur Verletzung von unserer #29 Martin Jacob, welche ihn mit einem fraglichen Hirn-Schaden ins Krankenhaus brachte wird folgen. Am Ende dieser kleinen “Verletzungs-Serie” soll ein Guide folgen, wie man als Spieler mit solchen Situationen umgehen kann. Zusammengestellt aus den besten Tips verschiedener Monarchs-Spieler.

Zum Abschluss sei noch erwähnt wie unendlich dankbar ich Physiotherapeutin Stephi, Coach Robert Cruse, Doktor Axel Klein und dem Unfallchirurgischen Team der Friedrichstadtklinik um Prof. Dr. med. Philip Gierer bin, welche mich gemeinsam innerhalb von nur 8 Tagen auf den OP-Plan und den Weg der Heilung gebracht haben. Dankeschön!!!

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